Kardiologie Essen von Dr. Norbert Ophoff

Laborwerte

Hier werden wichtige Begriffe der kardiovaskulären Labordiagnostik erläutert.

Cholesterin erhöht – was nun?

Cholesterin ist zwar lebensnotwendig, ein zuviel im Blut kann sich jedoch in den Wänden der Arterien ablagern und zu Gefäßverengungen führen. Nach einem Herzinfarkt wird ein Cholesterinwert von unter 160 mg/dl angestrebt, praktisch immer durch die Kombination von Diät und Cholesterinsenker (Statin).

Ist noch kein Gefäßschaden bekannt, wird meistens zunächst durch Diät versucht, einen erhöhten Cholesterinwert zu senken. Dabei werden unterschiedliche Zielwerte angestrebt, abhängig von weiteren Risikofaktoren und einer familiären Veranlagung.

Bei der Diät geht es „um die Wurst“. Wurst sollte weitgehend gemieden werden, da in dieser oft sehr viel Cholesterin enthalten ist. Käse sollte reduziert werden, ist jedoch nicht „verboten“. Wer genetisch bedingt zuviel Cholesterin über den Darm aufnimmt, kann zusätzlich von ballaststoffreicher Nahrung profitieren. Ein Nahrungsmittelzusatz von „pflanzlichem Cholesterin“ (Phytosterolen) z.B. in Margarine kann Cholesterin um ca. 10% senken. Ob dadurch auch das Infarktrisiko gesenkt wird, müsste in entsprechenden Studien noch untersucht werden.

LDL erhöht – zuviel „schlechtes“ Cholesterin!

  • Eine Unterscheidung des Cholesterins zwischen LDL und HDL ist genauer.
  • Über LDL wird Cholesterin in die Gefäßwand transportiert.
  • Eine LDL-Senkung erfolgt analog zur Cholesterinsenkung (s.o.).
  • Nach einem Herzinfarkt wird ein LDL von unter 100 mg/dl angestrebt, in schwierigen Fällen von unter 70 mg/dl.

HDL niedrig – zu wenig „gutes“ Cholesterin!

  • Eine Unterscheidung des Cholesterins zwischen LDL und HDL ist genauer.
  • Über HDL wird Cholesterin aus der Gefäßwand wieder entfernt.
  • HDL sollte möglichst weit über 50 mg/dl liegen.
  • HDL kann durch Ausdauersport (z.B. täglich 30 Min. Laufen) angehoben werden, zusätzlich durch geringe(!) Mengen Alkohol, wenn dieser erlaubt ist.
  • In einigen Fällen kann eine zusätzliche Medikation erwogen werden.

LDL zu HDL unter 2!

  • Das Verhältnis von LDL zu HDL sollte unter 2 liegen.
  • Deutlich erhöhtes LDL wird jedoch nicht immer durch ein hohes HDL zuverlässig ausgeglichen.

Triglyceride erhöht – Neutralfette nicht immer „neutral“!

Triglyceride (Neutralfette) sind neben Cholesterin im LDL enthalten und gelangen so in die Gefäßwand.
Auch durch Triglyceride können so bedeutende Fettablagerungen in den Gefäßwänden entstehen.
Besonders problematisch können erhöhte Triglyceridwerte sein, wenn gleichzeitig HDL niedrig ist.
Nach einem Herzinfarkt werden Triglyceride von unter 150 mg/dl angestrebt.
Triglyceride können durch Süssigkeiten und Alkohol im Übermaß erhöht sein und durch bestimmte Fettsäuren gesenkt werden. Bekannt sind die Omega-3-Fettsäuren, die in Fischen aus kalten Gewässern enthalten sind, z.B. Lachs, Makrelen.
Bei problematisch hohen Triglyceriden können Lipidsenker notwendig werden.

Tipps zu Bewegung und Ernährung

Wussten Sie...

...dass Getreidekörner und andere Ceralien entzündungshemmend auf die Gefässalterung wirken können? Dies gilt insbesondere für Diabetiker, wenn gleichzeitig schnell resorbierbare Kohlenhydrater gemieden werden. Günstig sind dagegen die in Körnern enthaltenen komplexen Kohlenhydrate und Ballaststoffe.

... dass ungefilterter, aufgebrühter Kaffee das Infarktrisiko möglicherweise steigern kann? Verantwortlich gemacht werden hierfür die Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Diterpene, die Cholesterin anheben können. Kaffeefilter halten diese schädlichen Diterpene zurück, nicht jedoch die im Kaffee enthaltenen gesunden Antioxidantien. Moderater Genuss von Filterkaffee soll somit das Infarktrisiko eher günstig beeinflussen.

... dass auch in der dunklen Jahreszeit regelmäßiger Ausdauersport besonders wichtig ist?
Für Tage, an denen man in Dunklen geht und im Dunklen wieder nach Hause kommt, bewährt sich der Heimtrainer ganz besonders.

... dass seelischer Stress zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte zählt?
Ganz vermeiden lässt er sich weder privat noch beruflich. Ein gute Abwehrmassnahme ist Ausdauersport: ca. 30 Minuten täglich machen den Stress für Herz und Gefässe schon viel erträglicher, fürs Wohlbefinden auch.

... dass ein natürlicher und schmackhafter "Cholesterin-Senker" im Herbst frische Walnüsse sind?

... dass es bei "Cholesterin-Fallen" ganz besonders um die Wurst geht, insbesondere wenn man nicht weiss, was hineinkommt? Überschaubarer ist reines, fettarmes Fleisch.

... dass Vitamine in der natürlichen Nahrung besonders wirksam sind? Denn die richtige Mischung machts.
Zusätzliche Vitaminkonzentrate konnten in Studien einen zweiten Herzinfarkt nicht überzeugend verhindern:
weder Vitamin C und E als Anti-Oxidantien noch Vitamin-B-Komlpexe mit Folsäure zur Homocystein-Senkung.
Wichtige Vitamin-Lieferanten sind frisches Obst, Gemüse und Getreideprodukte: am besten fünfmal am Tag!

... dass Atherosklerose durch Entzündungen und nicht allein durch zuviel Blutfett fortschreitet?
Entzündungshemmend ist u.a. der Verzehr von Kaltwasser-Fisch. Wer nicht zwei- bis dreimal pro Woche z.B. ein Lachs-Steak verzehren möchte, kann auf Fischöl-Kapseln ausweichen. Auch diese enthalten die schützenden Omega-3-Fettsäuren mit der besonders wirksamen Eicosapentaen- (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).

... dass durch Ausdauersport (Laufen, Radfahren) das günstige HDL-Cholesterin um 10% und mehr angehoben werden kann? Wichtiger als die Intensität ist der Umfang des Trainings: als Faustregel gilt: min. 5,5 km Laufen an 5 Tagen, d.h. min. 27-28 km pro Woche.

... dass Triglyceride (Neutralfette) im Blut besonders ansteigen, wenn verstärkt Süssigkeiten konsumiert werden?
Dazu zählen auch alkoholische, Cola- und Fruchtgetränke, insbesondere sog. "Frucht-Drinks" und "Frucht-Nektar" mit Zuckerzusätzen. Günstiger sind "Frucht-Säfte" (ohne Zuckerzusätze).